|
||||||||||||||
| ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 | ||||||||||||||
|
Wir empfehlen: | |||||||||||||
Aus soziologischer Perspektive lässt sich m.E. der Umstand, dass erst bestimmte materielle Grundvoraussetzungen des Daseins erfüllt sein müssen, bevor eine ideelle Auseinandersetzung mit diesen Voraussetzungen stattfinden kann, allerdings auch etwas differenzierter betrachten. Aus dem von mir angeführten Beispiel wird deutlich, dass eine Gesellschaft, die sich solch metasprachlichen Verständigungen widmen will, alternative Lösungen für ihre Probleme gefunden haben muss. Sie muss also etwa im Hinblick auf das hier gebrachte Beispiel in der Lage sein, sich, sagen wir, auch durch Ackerbau zu ernähren. Würde dabei nun freilich nur einfach der Ackerbau anstelle der Jagd die alleinige Ernährungsgrundlage dieser Gesellschaft darstellen, so hätte sich die Problematik nur verschoben, nicht aber grundsätzlich verändert. Auch die Ackerbauern verwenden in ihren Verständigungen ja Begriffe, deren jeweilige Tiefenschärfe in unmittelbarem Zusammenhang mit den Problemen steht, die eben durch diese Verständigungen im Ackerbau gelöst werden müssen. Und auch sie können etwaige Tiefenschärfedefizite dieser Begriffe nur dann in Metaverständigungen problematisieren, wenn der Ackerbau nicht mehr ihre alleinige Ernährungsgrundlage darstellt. Bedingung für eine solche Problematisierung ist also die Möglichkeit, gleichzeitig auf mehrere alternative Lösungen und nicht mehr nur auf jeweils eine Lösung für bestimmte grundlegende Probleme zurückgreifen zu können. Die Gesellschaft muss sich also, mit anderen Worten, die zu ihrer Existenz notwendigen Interaktionen teilen, damit (idealtypisch herausgestellt) derjenige Gesellschaftsteil (hier die Ackerbauern), der gerade nicht auf die in Frage stehende Begrifflichkeit (die der Jäger) angewiesen ist, diese problematisieren kann, und die von ihm in diesen Verständigungen verwendeten Begriffe vice versa, nämlich nun wieder von einem anderen Gesellschaftsteil (eventuell von den Jägern) problematisiert werden können. In anderen Worten: die unter dieser Perspektive zum Vorschein kommende Bedingung für die Möglichkeit, metasprachliche Verständigungen führen zu können und damit von einer Verständigungsebene erster Ordnung auf eine Ebene zweiter Ordnung zu gelangen, oder klassisch formuliert: die aus dieser Perspektive sichtbar werdende Bedingung für die Möglichkeit von Aufklärung ist: soziale Differenzierung, oder genauer gesagt: die Distanz die eine solche Differenzierung ermöglicht. Und von daher gehe ich in meiner Konzeption davon aus, dass die Aufklärungsmöglichkeiten einer Gesellschaft in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der jeweiliger Differenzierungsform der Gesellschaft stehen, bzw. mit der Distanz, die diese Differenzierungsform ermöglicht. Auch die moderne Selbstreflexivität, die heute das wissenschaftlich-methodologische Fundament der Sozialwissenschaften darstellt, lässt sich m.E. in dieser Hinsicht direkt auf die Komplexität der modernen Gesellschaft zurückführen. In deren rekursiv geschlossenem Verständigungsnetzwerk können die Betonung liegt hier auf können[5] ganz andere Möglichkeiten als in entsprechend weniger differenzierten Gesellschaften bestehen, Metaverständigungen über Verständigungen und deren Voraussetzungen zu führen und damit das zu betreiben, was weltgeschichtlich als Aufklärung bezeichnet wird.
Ich gehe darum in meiner Schrift davon aus, dass ein entscheidender Faktor, der die Bedingungen der Möglichkeit von Aufklärung determiniert, nämlich die soziale Differenzierung, zwar ein gemeinhin im Phänomenbereich der Soziologie wahrgenommener Faktor ist, der nichtsdestotrotz aber, weil er eben, wie zuvor gezeigt, die Möglichkeiten sozialphilosophischer Bemühungen grundlegend determiniert, entscheidende Relevanz für die Philosophie hat. Die Aufmerksamkeit für diesen Faktor legt, wie ich in meiner Schrift beschrieben habe, so etwas wie eine soziologische Wende der Philosophie nahe und ist als solche durchaus mit der von Marx gegenüber Hegel geltend gemachten materialistischen Wende und der später von Sprach- und analytischen Philosophen initiierten linguistischen Wende vergleichbar. Ich glaube, es erübrigt sich darauf hinzuweisen, dass auch diese beiden historischen Wenden eigentlich zur Festigung der Fundamente der Philosophie unternommen worden sind und nicht um die Disziplin als solche auszuhebeln. Genauso hat auch meine Konzeption vor, zwar vielleicht die Grenzen der Wahrnehmung der Disziplin zu erweitern, nicht aber um diese grundsätzlich zu überwinden oder sie zugunsten der Soziologie hinter sich zu lassen. Was ich mit meiner Schrift vorzulegen versucht habe, entspricht in seinem Anliegen vielmehr klassischen philosophischen Unternehmungen, auch wenn um deren Voraussetzungen zu klären, Faktoren in Betracht gezogen werden, die die Philosophie bisher nicht interessiert haben.
|
||||||||||||||
| |<< First < Previous Index Next > Last >>| | ||||||||||||||
|
Back to the topic site: StudyPaper.com/Startseite/Gesellschaft/Politik External Links to this site are permitted without prior consent. | ||||||||||||||
| Home | deutsch | Set bookmark | Send a friend a link | Copyright © | Impressum | ||||||||||||||