|
||||||||||||||
| ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 ISBN: 3423050012 | ||||||||||||||
|
Wir empfehlen: | |||||||||||||
III.
Im weiteren möchte ich nun kurz etwas näher auf einen (ich betone: einen) zentralen Punkt meiner Konzeption eingehen, der mir geeignet scheint, diese gerade beschriebene Rahmenbedingung meiner Schrift noch einmal aus einer etwas anderen Perspektive zu beleuchten. Dieser Punkt ruht im Prinzip auf der Alltagserfahrung auf, dass uns die Welt begrifflich in unterschiedlichen Dichtegraden zugänglich ist und dass die jeweilige Tiefenschärfe, die dabei möglich ist, (unter anderem) von der sozialen Konstitution der Situation abhängt, in der die Welt jeweils erfasst[4] werden soll, sprich: in der wir uns über die Welt verständigen. Ich möchte dazu ein Beispiel aus meiner Schrift (S. 155f) heranziehen, das eine Verständigungssituation beschreibt, in der die zur Verständigung bereitstehenden Mittel und Möglichkeiten ganz allgemein von mir zunächst einmal als Verständigungsvoraussetzungen bezeichnet werden. Zu diesen Vorraussetzungen gehören zum Beispiel die Begriffe der von den Verständigungssuchenden gemeinsam verwendeten Sprache. Selbstverständlich dies nur als Anmerkung werden diese Begriffe natürlich stets in gewissen Konstellationen mit anderen Begriffen verwendet, was ihre Bedeutung entsprechend verändern kann. Die Begriffe sind ihrerseits wieder in Sätze eingebunden, in denen gewisse grammatikalische Regeln gelten. Und diese Sätze kommen ihrerseits wieder in größeren Verständigungszusammenhängen zu stehen, in denen gewisse soziale Regeln und Verkehrsformen gelten, usw. Für all diese verschiedenen Ebenen und Aspekte dieser Verständigungssituation gilt nun analog das, was ich im folgenden anhand der Begriffe, die in dieser Verständigungssituation verwendet werden, exemplarisch erläutern möchte. In dieser Situation wie gesagt, es handelt sich um ein Beispiel aus meiner Schrift steht ein Mitglied einer fiktiven Urgesellschaft vor dem Problem, seinen Mitgesellschaftern die Sichtung eines jagdbaren Tieres, sagen wir, einer Antilope an einer Stelle am Fluss zu kommunizieren, an der Tags zuvor die weiblichen Mitglieder der Gesellschaft ihre Kleidung gereinigt haben. Damit sich die potentielle Nahrungsquelle nicht bevor die Jäger zur Stelle sind wieder entfernt, muss dieser Informant seine Information über den Ort seiner Sichtung so schnell und unmissverständlich wie möglich übermitteln. Er verwendet dazu, anstatt sämtliche weibliche Mitglieder der Gesellschaft einzeln und damit zeitraubend aufzuzählen, den Begriff Frauen er sagt also: Eine Antilope dort, wo tags zuvor die Frauen ihre Kleider gereinigt haben und es macht weder für ihn noch für seine Mitgesellschafter in diesem Zusammenhang einen Unterschied, dass an dem bezeichneten Waschvorgang gar nicht alle Frauen der Gesellschaft, aber dafür, sagen wir, doch auch zwei Männer teilgenommen haben, dass also der Begriff Frauen in diesem Zusammenhang eine gewisse Unschärfe aufweist. In der infragestehenden Situation liegt der Fokus der Kommunikation eindeutig auf dem jagdbaren Tier, beziehungsweise auf dem Ort seiner Sichtung. Die Tiefenschärfe auf die tatsächlich dort anderntags anwesenden Gesellschaftsmitglieder kann deswegen relativ gering bleiben. Sie steht in diesem Fall nicht zur Debatte.
Anders verhält sich dies freilich mit der Information, die im Fokus der entsprechenden Kommunikation steht. Hätte unser Informant zum Beispiel einfach von einem unbestimmten Tier gesprochen, anstelle von Antilope, so hätte sich eine zeitraubende Diskussion, sprich eine weitere Verständigung darüber entspinnen können, ob es der Mühe überhaupt wert ist, sich ohne sichere Aussicht auf Nahrung auf die Jagd zu begeben. Damit hätte die Gefahr bestanden, dass das Tier längst über alle Berge ist, bis diese Frage entschieden ist. Die Gesellschaft wäre damit ohne Nahrung geblieben, was unter den angenommen primitiven Umständen dieser fiktiven Urgesellschaft lebensbedrohend, oder abstrakter ausgedrückt: anschlussverhindernd sein könnte.
Maßgeblich für das Gelingen einer solchen Verständigung ist also und darauf möchte ich mit diesem Beispiel hinaus einerseits eine der Situation angemessene Tiefenschärfe im Fokus der Problemlage, über die Verständigung gesucht wird, andererseits aber zugleich auch die Zeitersparnis, die durch entsprechend geringere Tiefenschärfe am Rande dieses Fokus eingefahren werden kann. Um dies mit einem Terminus aus der Tradition der Sozialtheorie auszudrücken: auch Latenz ist also in solchen Verständigungssituationen funktional.
|
||||||||||||||
| |<< First < Previous Index Next > Last >>| | ||||||||||||||
|
Back to the topic site: StudyPaper.com/Startseite/Gesellschaft/Politik External Links to this site are permitted without prior consent. | ||||||||||||||
| Home | deutsch | Set bookmark | Send a friend a link | Copyright © | Impressum | ||||||||||||||